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Aktuelles

Segelflieger im Auftrieb


Wendlinger Segelfliegergruppe fusioniert mit Aeroclub Stuttgart – Vereinsheim und Halle bleiben in Wendlingen erhalten

Jetzt ist es in trockenen Tüchern: die Segelfliegergruppe Wendlingen (SGW) hat rückwirkend zum 1. Januar 2016 mit dem Verein Aeroclub Stuttgart (ACS) fusioniert. Trotzdem werden die Wendlinger als Untergruppe im Aeroclub eigenständig bleiben und ihr Vereinsheim behalten. In Baden-Württemberg ist diese Konstruktion unter Segelflugvereinen einmalig.

WENDLINGEN. Wenn zwei Gruppen, Vereine oder Gemeinden fusionieren, gilt für gewöhnlich, dass der Größere von beiden den Kleineren schluckt. Das ist vermutlich in 99 Prozent der Fälle auch so. Doch genau das galt es bei der Verschmelzung der beiden Vereine zu vermeiden, sagt Johannes Nuding, Vorsitzender der Wendlinger Segelflieger, auf Anfrage unserer Zeitung. Umso mehr freut es ihn: „Das ist uns gelungen.“

Grund für die Fusion ist der demografische Wandel, der wie bei anderen Vereinen auch an den Segelfliegern nicht spurlos vorbeigegangen ist. Dabei liegt das nicht allein daran, sondern viele junge Leute, die das Fliegen hier gelernt haben, müssen aufgrund ihres Studiums oder Berufs – verständlicherweise – woanders hinziehen und sind für den Verein dann oft verloren. Die Unterhaltung der eigenen Flugzeuge wird für die Vereine aber immer kostspieliger, weshalb sie nach Möglichkeiten suchen, wie sie die Auslastung und das Verhalten der Flieger verbessern können. Obwohl der Aeroclub Stuttgart einer der größten Segelflugvereine in Baden-Württemberg ist, stand auch dieser vor diesem Problem.

„In Gesprächen mit Vertretern des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands und dessen Justiziar war klar, wenn die beiden Vereinen den Flugzeugpark gemeinsam nutzen und wirtschaftlicher auslasten wollen, bleibt nur die juristische Lösung der Verschmelzung“, erläutert Johannes Nuding die vorausgegangenen Überlegungen. Weil beide Vereine – Segelflieger Wendlingen und Aeroclub Stuttgart – auf der Hahnweide bei Kirchheim ihren Heimatflughafen haben, bot es sich an, zusammenzugehen. „Wir beschreiten damit einen Weg, den es bisher im Land noch nicht gab, bei dem der kleinere Verein im größeren bestehen bleibt und sein Vereinsleben weiter in Wendlingen führen kann“, beschreibt Nuding eine der Voraussetzungen für die Fusion. Auch der ACS behält sein Vereinsheim in Stuttgart weiter.

Wie an alter Stelle wird das neue Vereinsheim mit Halle am neuen Standort an der Lauter von der Segelfliegergruppe und dem Kleintierzüchterverein Wendlingen gemeinsam genutzt. Das wird nach der Verschmelzung der Segelflieger mit dem Aeroclub auch weiterhin so bleiben.

Segelflieger sehen in Fusion mehr Vorteile

Neben dem eigenen Vereinsleben können die Wendlinger Segelflieger nun auch weiterhin neue Mitglieder werben und aufnehmen. Johannes Nuding ist deshalb zuversichtlich. Denn es gibt Mitglieder, die lieber Teil eines überschaubaren Gefüges sind, und genau das kann die Wendlinger Untergruppe bieten. Gleichzeitig können die Mitglieder aber vom gleichen Nutzen profitieren wie in einem großen Verein, sieht Nuding den Vorteil.

Mit Zusatzvereinbarung juristisch wasserdicht  

Nach der Fusion (sie wurde Ende Mai dieses Jahres rechtskräftig) ist die genaue Bezeichnung jetzt „Segelfliegergruppe Wendlingen im Aeroclub Stuttgart“. Damit ist die Untergruppe zwar nicht selbstständig, aber trotzdem eigenständig, wenn es zum Beispiel – wie in der Zusatzvereinbarung festgemeißelt – um das neue Vereinsheim und die Halle an der Lauter geht. Nach dem Abriss ihres vorhergehenden Heims mit Halle, das wegen der Wohnbebauung am Lauterpark weichen musste, hatten die Segelflieger Zuschüsse sowohl vom Baden-Württembergischen Luftfahrtverband (BWLV) als auch von der Stadt Wendlingen damals erhalten. Allerdings nur unter der Bedingung, dass das Vereinsheim an die Stadt Wendlingen zurückfällt, falls sich die Segelfliegergruppe Wendlingen im Aeroclub Stuttgart auflösen oder die Mitgliederzahl zu sehr absinken würde. „Diese Punkte wurden im Erbpachtvertrag mit der Stadt und später im Verschmelzungsvertrag fixiert“, so Nuding.

Dabei haben sie die Unterstützung von der Stadt Wendlingen erhalten, vor allem in Person von Wolfgang Kaiser, Leiter des Rechtsamtes und der Wirtschaftsförderung. Darüber ist Nuding sehr dankbar: „Zum Glück war auch der Bürgermeister für neue Wege offen, sofern diese sicherstellen, dass die Stadt auch bei der Verschmelzung nur die Segelfliegergruppe Wendlingen mit dem Zuschuss unterstützt und bei der Fusion keine Wendlinger Steuergelder für die Halle an den Stuttgarter Verein fließen.“

Nicht viel ändern wird sich nach der Fusion das Vereinsgeschehen: der Untergruppe wird nach wie vor Johannes Nuding vorsitzen. Es wird nach seinen Angaben ebenso weiterhin einen eigenen Werkstattleiter, Motorsegelflugwart und Segelflugwart geben. Außerdem wird die Kasse für Strom, Wasser, Versicherung und Reparaturen gemeinsam mit dem Kleintierzüchterverein Wendlingen verwaltet, mit dem sich die Wendlinger Flieger das Vereinsheim mit Halle teilen.

Was die Fusion allerdings ermöglicht hat, ist die gemeinsame Nutzung des größeren Flugzeugparks durch beide Clubs. Doppelt vorhandene Maschinen wurden verkauft. Der Erlös wurde in einen doppelsitzigen Hochleistungsmotorsegler investiert, freut sich Nuding. „Die Verschmelzung schafft uns mehr Spielräume, den Flugzeugpark modern zu halten. Das ist wichtig, denn ein attraktiver Flugzeugpark zieht neue Mitglieder an.“

Laut Nuding könnte der Weg, den der Wendlinger Verein mit der Verschmelzung gegangen ist, auch für andere Vereine interessant sein, denen es ähnlich ergeht. „Wenn dann zufällig vor der Verschmelzung auch noch ein Zuschuss der Gemeinde ansteht, dann ist es gut, wenn die Gemeindeverantwortlichen nicht nach dem Grundsatz handeln, Das haben wir noch nie gemacht, das machen wir deshalb auch jetzt nicht‘, sondern offen sind für neue Wege – wie bei uns.“

Nürtinger Zeitung am 8.08.2017